Menu Content/Inhalt
Notfallsonographie

Die Notfallsonographie (engl. Emergency Ultrasound) ist seit mehreren Jahren als zentrale Notfalldiagnostik bei akut erkrankten Patienten etabliert.

So hat die abdominelle Sonographie (FAST) einen festen Stellenwert in der frühen Schockraumdiagnostik bei der Behandlung verunfallter Patienten.

Die orientierende Echokardiographie und Sonographie zentraler Gefäße bietet eine frühe Diagnosemöglichkeit während zeitkritischer Situationen bei Patienten mit einem manifesten zirkulatorischen Schock sowie in der "Peri-Reanimation", d.h. bei Notfallpatienten mit Hypotension (drohende Reanimation), während der Reanimation selbst und in der Postreanimationsphase und kann dabei einen entscheidenden Einfluss auf die weitere Therapie und auf das Management ausüben.

Die Arbeitsgemeinschaft Notfallsonographie hat zu Kurskonzepte zur abdominellen Sonographie bei Trauma, für die orientierende Echokardiographie und zentrale Gefäße sowie Lungensonographie entwickelt und wissenschaftlich getestet.

Unsere Kurse bilden Ärztinnen und Ärzte aus, die in der Notaufnahme, im Schockraum, in der Intensivmedizin arbeiten oder aber auch Notärzte und Rettungsassistenten in für die präklinische Versorgung. Die Teilnehmer der Kurse kommen aus unterschiedlichen Fächern und profitieren daher von der interdisziplinären Kursstruktur.

Entwicklung FAST, FEER und THOLUUSE

Die Behandlung schwerverletzter Unfallopfer ist immer eine Herausforderung an das gesamte Rettungsteam. Neben einer Schädel-Hirn-Verletzung ist die Verletzung des Bauchraumes mit möglicherweise schweren inneren Blutungen eine der Haupttodesursachen nach Unfällen. Oftmals werden diese Verletzungen vor Ort jedoch nicht erkannt oder unterschätzt, da in vielen Fällen keine klinischen Anzeichen vorliegen, die eine korrekte Diagnose ermöglichen. Daher können dringlich zu klärende therapeutische und rettungstechnische Entscheidungen am Unfallort, die im Falle einer inneren Blutung nötig wären, nicht mit ausreichender Sicherheit gefällt werden. Innere Blutungen konnten bisher erst durch eine Sonographie im Schockraum der aufnehmenden Klinik nachgewiesen werden.

Mehrere Studien, die von der Frankfurter Arbeitsgruppe „Präklinische Sonographie“ unter der Leitung von Herrn PD Dr. Walcher, Oberarzt der Klinik für Unfallchirurgie des Universitätsklinikums durchgeführt wurden, konnten zeigen, dass der Einsatz mobiler Sonographiegeräte eine praktikable und sichere Möglichkeit darstellt, diese inneren Blutungen bereits am Unfallort festzustellen. Die Technik wird als P-FAST (prehospital focused abdominal sonographie for trauma) bezeichnet. Auch unter extremen Bedingungen, d.h. helles Umgebungslicht, beengte Untersuchungsbedingungen oder bei ungünstiger Position des Patienten, war eine Sonographie möglich. So konnten auch im PKW eingeklemmte oder auf dem Bauch liegende Patienten sonographiert und eine Diagnose bzgl. möglicher abdomineller Blutungen gestellt werden. Die Sonographie hatte in jedem drittel Fall Einfluss auf die Vor-Ort-Therapie und die Klinikwahl. Des Weiteren ermöglichte die frühzeitige Information des Zielkrankenhauses einen deutlichen Zeitvorsprung, im Falle einer chirurgisch zu behandelnden abdominellen Verletzung, die Operation vorzubereiten.

In weiteren Studien der Arbeitsgruppe wurde festgestellt, dass auch andere Notfallpatienten, d.h. Patienten ohne stattgehabten Unfall in der Regel mit internistischen Erkrankungen von einer Sonographie/Echokardiographie durch den Intensivmediziner/Notaufnahmearzt/Notarzt profitieren.

So wurde der Algorithmus FEER (Fokussierte Echokardiographie Evaluation in der Reanimation) von Herrn Dr. Breitkreutz, Klinik für Anäshtesiologie entwickelt und in Kooperation mit Herrn Dr. Steiger, Institut für Notfallmedizin am Klinkum Darmstadt, ein achtstündiges Schulungskonzept etabliert, welcher die orientierende Echokardiograpghie mit den dafür notwendigen Differenzialdiagnosen und Sonographie von zentralen Gefäßen für die Intensiv- und Notfallmedizin vermittelt.

Durch die Kompaktheit der in jüngster Zeit entwickelten mobilen Geräte sind diese wichtige Untersuchung nicht mehr an die Klinik oder Praxis gebunden und daher auch praktisch überall im Krankenhaus oder außerhalb des Krankenhauses einsetzbar.

Das Lungensonographiemodul THOLUUSE (Thorax, Trachea und Lung Ultrasound in Emergency and Critical Care Medicine) wurde in 2007 von der DEGUM für die Teilnahme zertifiziert. Es ist mit den o.g. Kurskonzepten abgestimmt und passt für das Erwerben von klinischen Fertigkeiten sehr gut zusammen.

Die Homepage unseres Kooperationspartners Darmstadt finden Sie unter: Institut für Notfallmedizin Darmstadt

Ihr Team der Arbeitsgemeinschaft Notfallsonographie

PD Dr. F. Walcher, Dr. R. Breitkreutz, Dr. T. Kirschning, Dr. H. Steiger

Letzte Aktualisierung: Mittwoch, 22. Oktober 2008